Im ersten Teil ging es um konkrete Methoden, Lernprozesse im Team anzustoßen, der zweite Teil beschäftigt sich damit, Lernen als eine Teamroutine zu etablieren.

pixabay.com/geralt

1. Wer weiß denn so was – Wissensnetzwerke aufbauen

Zwei Aspekte sind wichtig: Welches Wissen wollt Ihr zur Verfügung stellen und wie macht Ihr das? Wenn Ihr in Eurem Unternehmen ein Knowledge Management System habt, habt Ihr einen technologischen Vorteil – vorausgesetzt, Ihr könnt Euch dort eine Teamseite einrichten oder Ihr wollt das Wissen unternehmensweit teilen. Soll es erst mal ein low-level Pilotprojekt sein, könnt Ihr auch andere Tools nutzen. One-Note ist z.B. ein gutes Tool, um Wissen einfach zu dokumentieren und zu strukturieren:

Legt ein Team-Notizbuch „Teamwissen“ o.ä. an. Die einzelnen Kategorien (= Abschnitte) könnt Ihr mit der Zeit hinzufügen oder in einem Kick-off-Meeting bestimmen. Mit „Seiten“ legt Ihr Themen an und auf diesen Seiten sammelt Ihr, was Eurem Team wichtig erscheint, egal ob es Text, Dateien, Videos oder andere Medien sind. Der Vorteil: Es geht schnell und einfach und das Dokumentieren von Wissen kann so zur Routine werden. Der Nachteil: Die Seiten können schnell unübersichtlich werden. Am besten führt Ihr die Rolle des Knowledge-Managers ein – entweder für das gesamte Notizbuch oder für einzelne Kategorien.

2. Die gemeinsame Reise zum nächsten Level – Teamentwicklungspläne

pixabay.com, athree23

Lernen muss man immer alleine? Nun, wenn es darum geht, was im Kopf passiert, wie welche Verbindungen geknüpft werden, dann muss man tatsächlich sagen: Hier ist jeder allein. Aber den Weg bis dahin kann man gemeinsam gehen. Das Gehirn findet soziales Lernen sogar besonders interessant. Lernen wir mit anderen zusammen, werden zusätzliche Verknüpfungen zwischen unseren Synapsen angelegt, was wiederum das Behalten und Erinnern erleichtert.

Viele haben in der Schule oder während ihrer Ausbildungen in Lerngruppen gelernt. Warum? Es ist ähnlich wie beim Wandern auf dem Jakobsweg: Es ist gut, zeitweise alleine zu gehen, um die erwünschte mentale Ruhe zu erreichen. Aber geht man den ganzen Weg alleine, fällt es schwerer, aufzutanken, es entgehen einem gute Tipps und die Motivation kann sich schon mal davon schleichen. Auch beim Lernen braucht man Zeit für eigene Gedanken. Eine Lerngruppe ist aber eine gute Ergänzung, um sich gegenseitig zu stützen, Fragen zu beantworten und Hilfestellung zu geben.

Einen Teamentwicklungsplan aufzustellen, baut genau auf diesen Vorteilen auf: Ein Ziel vereint die Lernschritte jedes Einzelnen im Team, die Analyse der vorhandenen Kenntnisse und Fähigkeiten kann Überraschungen, aber auf alle Fälle Klarheit bieten, das Festhalten von Lernfortschritten motiviert. So könnte ein Teamentwicklungsplan zum Thema „Zusammenarbeit im Homeoffice“ aussehen:

3. Team Learning Officers – klare Rollen helfen und klingen gut.

pixabay.com, padrinan

Jobbeschreibungen enthalten häufig den Passus „Andere Arbeiten wie vereinbart“. Das ermöglicht einem Team, zusätzlich zu dem eigentlichen Aufgabenbereich weitere Rollen einzuführen. Manchmal entwickeln sich diese Rollen ganz von selbst: Ihr plankt seit drei Monaten regelmäßig vor der Mittagspause, in der es dann immer frisches Obst gibt? Vielleicht hat sich ein Health Care Officer bei Euch entwickelt. Immer wieder organisiert jemand ein After-Work-Event? Das könnte der Employee Engagement Officer sein. Oder gibt es bei Euch den „Unser Büro soll schöner werden“-Fanatiker oder den „Trendforscher“? All dies sind Rollen, die zusätzlich zu den offiziellen Aufgaben übernommen werden. Warum nicht auch jemanden damit zu betrauen, sich um das Lernen im Team zu kümmern?

Meistens gibt es schon Indizien, wer für diese Rolle in Frage kommt. Habt Ihr jemanden im Team, der immer mal wieder auf interessante Artikel oder Videos hinweist? Oder der sich häufiger zu Kollegen setzt, um von ihnen zu lernen? Der gefragt wird, wer etwas wissen könnte? Wenn nicht, dann ist es gut, auf Freiwilligkeit zu setzen, denn für diese Rollen braucht man ein bisschen Leidenschaft. Übrigens ist das auch eine gute Rolle für die Chefin.

Die konkreten Aufgaben für den TLO variieren je nach Teambedarf, aber einige typische Punkte sind:

  • relevante Newsletter identifizieren, aufs Team verteilen und regelmäßig einen „Gelesen und für gut befunden“-Austausch anregen
  • Lernen, wie man lernt – sich didaktische Grundlagen aneignen und sie fürs Team nutzen, z.B. in Zusammenarbeit mit der Learning & Development Abteilungals Multiplikatorin Workshops zu unternehmensweiten Themen fürs Team anbieten
  • das Thema „Was haben wir gelernt – was brauchen wir?“ Regelmäßig auf die Agenda von Teammeetings holen
  • kleine Lernchallenges initiieren (z.B. „Die Lernwoche“ oder „15 x 15“)

4. Was wäre, wenn – Konsequentes In-Frage-Stellen

pixabay.com, eminens

Disruptive Unternehmen, disruptive Technologien. Alles fängt mit dem disruptiven Denken an. Wenn man es auf eine Formel reduziert, landet man bei dem alten Kreativ-Ansatz: „Was wäre, wenn…“. Indem wir Bekanntes neu miteinander kombinieren, Prozesse auseinandernehmen und mit neuen Richtlinien wieder zusammensetzen oder von anderen Blickwinkeln her auf die Arbeit schauen, können wir auf neue Ideen kommen – und damit wieder lernen.

Ein paar „Was wäre, wenn…“-Fragen, die entweder nebenbei oder in einem speziellen Setting gestellt werden können:

Was wäre, wenn …

  • wir ohne Präsenzmeetings zusammenarbeiten würden (da sieht man mal, wie leicht solche Szenarien Realität werden können!)?
  • wir für die Beschreibung unseres Angebots wie ein Marktschreier reden würden?
  • wir unser Angebot um 80% reduzieren, um uns auf die wichtigsten Produkte zu konzentrieren?
  • wir für eine Woche jeden Tag nur vier Stunden arbeiten – bei gleichem Output?
  • wir so arbeiten würden wie Firma X oder Branche Y?

Am Anfang geht es bei dieser Technik nicht um Riesensprünge – obwohl sie vorkommen können. Es geht mehr um die Etablierung einer Routine. Ähnlich wie Aufgaben „Nimm mal einen anderen Weg zur Arbeit“ oder „Such Dir auf der Speisekarte etwas aus, was Du noch nie gegessen hast“ führen Was-wäre-wenn-Fragen dazu, dass unser Gehirn neue Verknüpfungen bilden kann. Und das ist die Voraussetzung für Kreativität.

Übrigens: Nicht allen Teammitgliedern fällt es leicht, aus den gewohnten Denkbahnen zu treten. Ein paar spielerische Kreativitätsübungen zum Aufwärmen können helfen. Ich habe in diesem Beitrag auf meinem Blog sieben Methoden beschrieben, die ich gerne zu Beginn von Projekten nutze.

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert