Fünf Schritte zum positiven Energiekonto

Es gibt Zeiten, in denen wir beschwingt durchs Leben hüpfen. An anderen Tagen fühlen wir uns, als hinge eine Stahlkugel an unseren Füßen, die jeden Schritt zu einer Riesenanstrengung werden lässt. Möchtest Du mehr von den leichten Tagen erleben? Dann nimm Dir ein paar Minuten Zeit, um dich mit Deinem „Energiekonto“ zu beschäftigen.

Übrigens: mir als ehemalige Bankerin liegt die Metapher des Kontos natürlich nahe. Wenn Du dich ungern mit Konten beschäftigst, kannst Du auch mit Bildern wie dem „Energietank“ oder der „Batterie“ arbeiten, die Methode funktioniert damit genauso gut.

Schritt 1: Der aktuelle Saldo

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Nimm Dir ein großes Blatt und setze in die Mitte eine Tabelle für Deinen „Kontoauszug“ – oder lade Dir meine Vorlage herunter:

Wie sieht es aktuell auf Deinem Energiekonto aus? Gehst Du mit Leichtigkeit durch Dein Leben oder schleppst Du dich von einer Aufgabe zur anderen? Im Bild des Kontos gesprochen: Hast Du noch ein solides Energiepolster oder musstest Du schon Deinen Dispo in Anspruch nehmen?

Notiere Dir deinen aktuellen Saldo – entscheide Dich, ob er positiv oder negativ ist und nutze Plus- bzw. Minuszeichen, um die Höhe anzuzeigen.

Die Abhebungen

Notiere auf der linken Seite fünf Dinge, die Dich momentan Energie kosten. Beschreibe sie so konkret wie möglich. Also z.B. nicht „die Kollegen“, sondern „Kollege X, wenn er/sie in dieser Situation das macht“ oder statt „Gesundheit“ die ganz konkreten Symptome, die Energie von Dir abziehen.

Die Einzahlungen

Schreibe nun auf der rechten Seite fünf 5 Dinge auf, die Dir momentan Energie geben. Das kann alles Mögliche sein: die Familie, das gut gelungene Projekt, die morgendliche Laufrunde …
Bleib auch hier so konkret wie möglich.

Die Budgetplanung

Nun wird es spannend. Genau wie wir mit unserem Geld haushalten müssen, sollten wir auch mit unserer Energie umgehen.

Nimm Dir einen Punkt aus den Abhebungen vor. Was kannst Du tun, damit dieser Punkt weniger Energie abzieht? Ein Beispiel: Du hast „Keller aufräumen“ notiert, weil Du das schon seit Monaten vor Dir herschiebst und Dein schlechtes Gewissen immer größer wird. Vielleicht könntest Du dir Hilfe holen? Dich mit einer Freundin verabreden, gemeinsam erst deinen und dann ihren Keller ausmisten? Und danach gönnt Ihr Euch zur Belohnung die extra-große Pizza beim Lieblingsitaliener?

Fragen, die Dich auf Ideen bringen können:

  • Wie kannst Du dir es „schön“ machen, wenn Du eine unangenehme Tätigkeit machen musst?
  • Kannst Du verhandeln? Vielleicht macht es Dir Spaß, die Präsentation zu erstellen, vor der sich der Kollege drückt. Dafür kann er Dir eine Aufgabe abnehmen, die Dir schwer fällt.
  • Muss diese Aufgabe überhaupt gemacht werden? Muss es z.B. der selbst gebackene Kuchen für die Geburtstagesfeier sein, für den Du momentan weder Zeit noch Energie hast? Oder reicht auch ein leckerer Kuchen vom Bäcker?
  • Kannst Du bestimmte Situationen vermeiden? Z.B. zu einer anderen Zeit ins Sportstudio gehen, um Dich nicht mit den Marathonenthusiasten um das letzte freie Laufband zu streiten oder etwas später ins Büro fahren, um nicht im dicksten Stau stecken zu bleiben?
  • Kannst Du beim nächsten Familientreffen Onkel Herbert in einem anderen Licht sehen, wenn er mal wieder endlose Anekdoten vom Stapel lässt? Vielleicht ist er einsam und freut sich, dass er endlich einmal wieder eine Zuhörerin hat?

Um unser Konto ausgeglichen oder sogar im Guthaben zu halten, sollten wir uns aber nicht nur um die Abhebungen kümmern. Schaffen wir es, unsere Einnahmen (regelmäßig) zu vergrößern, können wir auch großen Abhebungen gelassen entgegen sehen.

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Überlege Dir daher für einen Punkt aus der Liste der Einzahlungen: Was kannst Du machen, um davon mehr zu bekommen? Wie kannst Du dafür sorgen, dass Du regelmäßige Einzahlungen verzeichnest, statt auf den großen Lottogewinn oder den nächsten Jahresurlaub zu warten? Können es die täglichen fünf Minuten sein, in denen Du deine Atmung beobachtest und so zur Ruhe kommst? Das abendliche Ritual, Dir bewusst zu machen, was Du heute alles geleistet hast, bevor Du nach Hause oder ins Bett gehst? Vielleicht kannst Du ja sogar andere Menschen dazu bringen, dass sie auf Dein Energiekonto einzahlen?

Weitere Gedankenstöße:

  • Dankbarkeitstagebuch: Jeden Tag drei bis fünf Punkte aufzuschreiben, für die wir dankbar sein können, macht kurzfristig zufrieden und verändert langfristig die Sicht auf die Welt. Und sorgt somit für einen soliden Grundbestand Deines Energiekonto: die Familie, der Partner, die Wohnung, die Freunde, der Baum vorm Haus, die Freude an Bewegung, die unendliche Vielzahl an Büchern und Filmen, …
  • Was bringt mehr Energie, als es zunächst kostet? Sport ist ein schönes Beispiel für diese Frage, aber auch das Telefonat mit einer alten Freundin. Zunächst muss man sich vielleicht aufraffen, aber danach wird man durch ein gutes Gefühl belohnt.
  • Wem kannst Du etwas Gutes tun? Klingt zunächst paradox, aber es wirkt zuverlässig – selbst wenn man nicht immer ein „Danke“ erhält.
  • Erstelle eine „Notfallliste“, auf der Du Ideen notierst, was Dich in gute Stimmung bringt. Natürlich weißt Du das alles, aber unser Gehirn lässt im Notfall die Ideen für gute Stimmung gerne ganz nach hinten verschwinden. Notiere vor allem kleine Dinge wie den leckeren Tee für besondere Gelegenheiten, das Tanzen zu drei Liedern von der Playlist „Gute Laune“, den bewussten Blick auf den Baum vor dem Fenster oder auf Dein Lieblingsurlaubsfoto. Je länger diese Liste wird, desto besser.
  • Das Urlaubsfoto ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie wir Momente, in denen wir uns voller Energie fühlen, bildhaft festhalten können. Auch Sprüche oder Zeichnungen können gute Mittel sein, um einen kleinen Kick zu bekommen. Stell oder hänge sie Dir an die Orte, an denen Du häufiger mal eine kleine Energiedusche brauchen könntest oder sie regelmäßig sehen kannst. Gute Orte sind z.B. Dein Schreibtisch, die Wohnungstür oder der Badezimmerspiegel. Übrigens können auch Gegenstände Energie schenken. Steck Dir den Stein aus dem letzten Urlaub oder die Kastanie vom letzten Spaziergang in Deine Jackentasche – dann kannst Du immer schnell ein wenig Energie auftanken.

Nun wird es ernst – der Vertrag mit Dir selbst

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War Dein Bankkonto bisher immer ausgeglichen? Oder gab es doch Monate, in denen Du spontan mehr Geld ausgeben wolltest bzw. musstest oder sich Einzahlungen verzögert haben? Genauso ist es mit unserem Energiekonto. Der lange ersehnte Wellness-Tag in vier Wochen reicht vielleicht nicht dafür aus, dass Du die Ärgernisse und Anforderungen des heutigen Tages gut verarbeiten kannst. Hast Du dagegen einen soliden Energiebestand auf Deinem Konto, können Dich auch kurzfristige Belastungen nicht aus der Bahn bringen.
Die ersten Ideen, um Dein Energiekonto in eine gute Balance zu bringen, hast Du schon notiert. Leider bleiben Ideen gerne Ideen und Vorhaben wie „Ab sofort spare ich regelmäßig“ sind meistens zum Scheitern verurteilt. Du brauchst ein paar Tricks zu Umsetzung. Und einen Plan. Schau Dir daher noch einmal Deine Ideen an und überlege, wann Du etwas davon umsetzen möchtest. Nimm Dir dann Deinen Kalender und schreibe Deine Idee groß und deutlich hinein. Fang mit einer einzigen Idee an, aber suche nach einem Zeitfenster in den nächsten drei Tagen. Es muss nicht perfekt sein, Hauptsache, Du machst den ersten Schritt.
Und danach? Genieße erst einmal die Energieeinzahlung bzw. die Erleichterung, wenn etwas nicht mehr so viel Energie kostet wie zuvor. Dann kannst die nächste konkrete Idee einplanen oder überlegen, wie Du mit den anderen Punkte in Deinem Energiekonto umgehen möchtest. Idealerweise reservierst Du Dir regelmäßig Zeit in Deinem Kalender, um Dich mit Deinem Energiekonto zu beschäftigen. Das muss nicht der große einstündige Termin hinter verschlossener Tür sein. Viel besser – weil leichter in den Alltag einzubauen – sind kleine Rituale wie z.B. das Nachdenken auf einem Weg, den Du regelmäßig gehst (Einkaufen, Sport, Arbeit, Besuch bei den Eltern, …), der Blick auf das Energiekonto beim Zähneputzen oder ein paar Notizen, bevor Du dich an die nächste Arbeit setzt.

Letzte Tipps

Für die gesamte Übung brauchst Du ca. 15 – 30 Minuten. Hast Du bereits Deine Liste erstellt, kannst Du in wenigen Minuten Deine nächsten Ideen konkretisieren und in Deinen Kalender eintragen.

Das Energiekonto kombiniert Methoden aus dem Stressmanagement und Methoden, um leichter Ziele zu erreichen. Natürlich kann jeder Schritt für Dich wichtig sein, doch ich empfehle, Dich an die Reihenfolge zu halten. Wir sind meistens sehr gut darin, all die negativen Punkte zu sehen, übersehen aber gerne die positiven. Nimm Dir daher für den ersten Durchgang die Zeit, alle Schritte in der vorgestellten Folge durchzuführen. Auf alle Fälle nimm Dir genügend Zeit, um den ersten Umsetzungsschritt zu planen. Er darf klein sein, aber er sollte fest eingeplant werden.

Schreib mir gerne, was Du eingeplant hast oder welche Erfahrungen Du mit dieser Methode gemacht hast.

Gute Energie!

2 thoughts on “Fünf Schritte zum positiven Energiekonto”

  1. Ich finde dies eine super Veranschaulichung wie der negativ Schwung bewusst ins Positive manövriert wird! Es gibt zudem ein Gefühl von: Hey ich habe es selbst in der Hand mein Konto aufzufüllen! Danke für diese Idee!

    1. Es ist immer so leicht, die Verantwortung abzugeben und „die Umstände“ verantwortlich zu machen. Es kann aber auch leicht werden, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Ich wünsche Dir dafür viel Energie, damit auch viel Energie zurückkommt.

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